Südwest Presse 19. April 2013

Sammler: Mehrstettens Bürgermeister hat mehr als als 20.000 Bierdeckel

von REINER FRENZ

Mehrstetten (swp). Mehrstettens Bürgermeister Rudolf Ott zählt zur Spezies der Jäger und Sammler. Er hat nicht nur eine bemerkenswerte Sammlung von Kristallen und Mineralien, sondern auch mehr als 20.000 Bierdeckel.

Schon in jungen Jahren hat Rudolf Ott seine Leidenschaft für Bierdeckel entdeckt. „Mit acht Jahren habe ich angefangen mit dem Sammeln“, berichtet der Mehrstetter Bürgermeister, der in der Ulmer Gegend wohnte und darum zunächst vor allem Bieruntersetzer aus diesem Raum zusammentrug. Gut erinnert er sich noch daran, dass es beispielsweise im Ehinger Teilort Berg früher zwei Brauereien gab. Längst sammelt Ott gezielt. Spezialisiert hat er sich vor allem auf aufgelassene Brauereien. Allein 300 Bierdeckel ehemaliger baden-württembergischer Brauereien hat er in einer Extra-Sammlung, die im Krug-Museum der Albquell-Brauerei in Trochtelfingen ausgestellt ist. Von der Löwen-Brauerei in Kettenacker, über die Klosterbrauerei Heiligkreuztal, die Brauerei Warthausen bis hin zum Blaubeurer Kronen-Bräu reicht die Palette. „Früher hat es ja in fast jedem Dorf eine Brauerei gegeben“, weiß Ott. Rund tausend müssen es in Baden-Württemberg gewesen sein. In Mehrstetten übrigens gab es keine. Rudolf Otts vielleicht ältester Bierdeckel stammt von der Schlossbrauerei Öpfingen, die 1954 aufgelassen wurde. Der Bierdeckel ist somit wahrscheinlich 60 Jahre alt.

Sein zweites Sammelgebiet sind Bierdeckel aus dem Ausland. Aus 110 Ländern aller Kontinente hat Rudolf Ott inzwischen Bierdeckel. Von Argentinien bis Zypern stammen die Kruguntersetzer. Es sind welche aus China dabei, aus Indonesien, Tahiti, Namibia, der Türkei, der Mongolei und von La Réunion. Letzteren hat er selbst von einer Reise auf die Vulkaninsel im Indischen Ozean mitgebracht. Die meisten der ausländischen Bierdeckel hat er von Bekannten und Freunden erhalten, die in fernen Ländern Urlaub gemacht haben.

Aber auch ein gefaxter Brief an Botschaften in Deutschland war durchaus erfolgreich, berichtet Ott. Ihm wurden einige ausländische Bierdeckel zugeschickt, darunter eine „tolle Kollektion“ aus Kenia, und der Botschafter Turkmenistans rief sogar bei ihm an, um ihm mitzuteilen, dass es in seinem Land keine Brauerei gebe, sobald sich das ändern sollte, werde er Ott einen Bierdeckel schicken. Gezeigt hat der Bürgermeister seine internationale Sammlung übrigens erst ein Mal, vergangenes Jahr in der Mehrstetter Partnergemeinde Herceghalom. Drittes Sammelgebiet sind Themenbierdeckel. So hat beispielsweise die Link-Brauerei aus Möhringen bei Tuttlingen eine Deckelkollektion herausgebracht, die alte Trachten zum Thema hat.

Mehr als 20 000 Filzdeckel hat Rudolf Ott in seinem Besitz, die meisten davon schlummern in Kisten auf der Bühne seines Hauses. Knapp die Hälfte davon hat er selbst gesammelt, sei es bei Gaststättenbesuchen oder per Erwerb beziehungsweise Tausch im Internet. Besonders begehrte Bierdeckel erzielen übrigens Preise bis zu fünf Euro pro Stück.

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb-donau/sammler_-mehrstettens-buergermeister-hat-mehr-als-als-20.000-bierdeckel-18499991.html

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